Die Zehntscheune

Die unter Denkmalschutz stehende Zehntscheune in Millen liegt an der Westseite der 1000-jährigen Kirche und der zwischen 1106 und 1126, zur Amtszeit Kuno I., Abt von Siegburg gegründeten Propstei und bildet zusammen mit diesen einen wohl einzigartigen historischen Baukomplex.

Die Zehntscheune diente der Einlagerung des Zehnten aus den Erträgen des Wirtschaftshofes der Propstei. Sie ist als einziges Wirtschaftsgebäude des Propsteihofes heute noch erhalten. Maueranker mit der Jahreszahl 1788 befinden
sich in dem der Propstei zugewandten Ostgiebel.

Das Wort Zehnt leitet sich vom Lateinischen decenia ab und bedeutet soviel wie Zehntel oder zehnter Teil eines Produktes. Der Zehnt war eine an sich durchaus gerechte Steuerform im Mittelalter, da er sich den jeweiligen Ernteerträgen anpasste. War die Ernte gut, mußte mehr, war sie schlecht, mußte weniger aufgebracht werden. Im Zuge der Französischen Revolution wurde mit der Abschaffung der Feudalherrschaft auch das Zehntwesen aufgehoben.

Die Scheune befand sich zusammen mit einigen Resten der ehemaligen Stallungen seit der Säkularisierung im Jahre 1802 in Privatbesitz. Die Gemeinde Selfkant hat sie dann 1985 erworben, um sie als denkmalwürdiges Gebäude vor dem endgültigen Verfall zu retten. Die gesamte Restaurierung wurde in zwei Bauabschnitte durchgeführt. Nachdem ab 1986 die Außenarbeiten an der Zehntscheune abgeschlossen waren, wurde der Innenausbau in Angriff genommen. Entgegen der ursprünglichen Absicht, die Zehntscheune musealen Zwecken zur Verfügung zu stellen wurde sie letztendlich als Versammlungszentrum der Gemeinde Selfkant eingerichtet.

Es befinden sich dort ein kleiner Versammlungsraum und ein größerer Saal, die Vereinstreffen oder anderen Feierlichkeiten dienen sollen. Angeschlossen sind noch ein Küchentrakt sowie sanitäre Einrichtungen. Die Tenne wurde nach historischen Gesichtspunkten ausgebaut. Das umgebende Gelände sowie die Restgebäude des ehemaligen Wirtschaftshofes wurden entsprechend den Vorgaben des Amtes für Denkmalschutz gestaltet.

Während der Bauarbeiten entdeckte man in einer Fensternische einen Holzbalken mit dem Wappen des Propstes Otto Heinrich von Bylandt. Er trug die Jahreszahl 1655. Vermutlich hat von Bylandt während seiner Amtszeit von 1636 bis 1668 nicht nur die Kirche und die zugehörigen Kapellen, sondern auch Bauarbeiten an der Zehntscheune ausführen lassen. Der Balken wurde restauriert und ist heute an prädestinierter Stelle im Mauerwerk der Scheune eingepasst.

Die Bauarbeiten wurden 1988 abgeschlossen. Damit konnte das einmalige historische Ensemble Millens von Kirche, Propstei und Zehntscheune wieder vollständig der Öffentlichkeit übergeben werden.