Die Propstei

In den Jahren zwischen 1106 und 1126 wurde der Grundstein zur Errichtung eines Propsteigebäudes gelegt. In dieser Zeit, unter der Amtszeit des Siegburger Abtes Kuno I. wurde die Kirche von Millen der Benediktinerabtei Siegburg als Propsteikirche übergeben. Im Falle von Millen wurde die Gründung der Propstei durch den Wunsch der Herren von Millen begünstigt, Mönche in ihrer Nähe zu haben sowie durch eine Stiftung, also durch die Schenkung von "liegendem Gut". Diese Landflächen befanden sich außer in Millen selbst in 19 in der näheren und weiteren Umgebung gelegenen Ortschaften mit einer Gesamtgröße von, auf heutige moderne Flächenmaße umgerechnet, 290 Morgen Ländereien. Dies macht um so mehr deutlich, das die Herren von Millen ein reichbegütertes Geschlecht waren, das über einen weit verstreuten Besitz verfügte. Ihre Schenkungen kamen aus ihrem Eigentum.

Älteste heute noch im Gebäudekomplex befindliche Mauersteine im westlichen Giebel und ein adeliges Ehewappen aus dem Jahre 1586 deuten auf einen älteres Bauwerk hin. Maueranker an der Seite der heutigen Propstei weisen jedoch aus, das der jetzige Gebäudekomplex aus einem umfassenden Umbau aus dem Jahre 1827 hervorgegangen ist. In dieser Zeit befand sich das Propsteigebäude bereits in Privathand. Der Ostteil der Propstei geht auf einen Bau des Jahres 1701 zurück. Der westlich der Propstei gelegenen Wirtschaftshof bildete ursprünglich ein Geviert mit Zufahrt von der Südseite der Anlage her. Dort ist auch heute noch eine Toreinfahrt erhalten. Zwischen diesem Tor und der Westseite der Propstei hat sich das Wohngebäude des Verwalters des Wirtschaftsgebäudes befunden haben, wie Mauerreste ausweisen. Es ist heute aber nicht mehr erhalten. Daneben befand sich östlich der Propstei noch ein kleines Gebäude, das man als „de verloare Kass" kannte und das als Verlies gedient haben soll. Es wurde 1878 abgebrochen. Der ehemalige Westflügel der Propstei, der ursprünglich an die Kirche grenzte, wurde im 19. Jahrhundert verändert und dient heute als Schuppen. Nur die jetzige Rückwand lässt anhand der zugemauerten Fenster und Türen noch den ehemaligen Zustand erkennen.

An der Nordseite der Kirche am Eingang des heutigen Friedhofes lag das Gerichtsgebäude, das später auch als Schule und Schützenhaus diente. Dieses Gebäude hatte an der linken Seite zur Straße hin ein Prangerhalsband, wo die Verurteilten vor und nach der heiligen Messe zur Schau gestellt wurden. Es wurde 1878 durch Beschluß der königlich - preußischen Provinzialregierung zum Abriß freigegeben. Dadurch mußte ein neues Schulgebäude gefunden werden. Zu diesem Zwecke kaufte die Gemeinde im selben Jahr das Propsteigebäude.

Der Gemeinde entstanden Kosten von 6000 Reichsmark durch Ankauf und 3838 Reichsmark für den Umbau zum Schulgebäude. Der letzte private Eigentümer war Viktor Schoffelen. Das Gebäude diente dann bis 1960 als Schulgebäude. Bis in die späten zwanziger Jahren haben noch Schwestern das Haus bewohnt. Von hier sind sie nach Höngen ins Haus Biesen gezogen.

Schon während der Zeit der niederländischen Auftragsverwaltung wurden umfangreiche Sanierungen der Außenfassade vorgenommen. Nachdem Millen 1963 wieder zum deutschen Staatsgebiet gekommen war, wurden in der Propstei, die als Schulgebäude ausgedient hatte, Renovierungen des Innenbereichs in Angriff genommen. Unterstützt durch öffentliche Mittel konnte die Propstei am 04.05.1968 der Allgemeinheit wieder zur Verfügung gestellt werden. Es wurden zwei größere Räume mit angeschlossenem Sanitärbereich sowie eine Wohnung im Westteil des Gebäudes eingerichtet. Der Raum im Parterre steht für Ausstellungen, Vorführungen und Versammlungen zur Verfügung, der obere Raum, die Johann-Grein-Gedächtnis-Stube, enthält das Archiv der 1949 gegründeten Heimatvereinigung Selfkant und ein Bodenfunde - Museum. Neuerdings wird der untere Raum auch als Standesamt benutzt, um Hochzeitspaaren den Schritt ins gemeinsame Leben im historischen Ambiente erleben zu lassen.